Zeitzeugen


Marita Ulbricht, Berlin
„ Ich dachte immer, irgendwann bin ich im Westen
und ihr bleibt hier “
Thema: Flucht, Schleuser, Haft
Biografisches: 1943 in Berlin geb.
1981 Flucht über Grenzübergang
Zimmerstraße / Friedrichstraße
( Checkpoint – Charlie ) in Berlin
Kurzbeschreibung
Marita Ulbricht arbeitete als Sekretärin in der Berliner Charité. Kollegen gelang durch eine
Schleuserorganisation die Flucht. Mit Hilfe dieser Menschen wollte auch Sie über den
Checkpoint – Charlie in den Westen fliehen. Die Flucht misslang. Sie wurde verhaftet und
in die Stasi Untersuchungshaftanstalt Berlin – Hohenschönhausen gebracht.
Wegen „ versuchten illegalen Grenzübertritts “ und „ Landesverräterischer Agententätigkeit “
wurde Sie zu 2 Jahren und 8 Monaten verurteilt.
Durch Häftlingsfreikauf kam Sie 1982 in die Bundesrepublik
Sie ist Mitglied des Frauenkreises der ehemaligen Hoheneckerinnen e.V. und macht
Führungen durch die Gedenkstätte Berlin – Hohenschönhausen.


Monika Schneider, Berlin
Thema: Flucht und Haft
Biografisches: 1956 in Freital geb.
1983 Fluchtversuch über Prag
und Verhaftung.
In Frankfurt / Oder nach
§ 213 StGB – DDR ( Republikflucht )
zu 2 Jahren 6 Monaten verurteilt.
E-Mail: moni.cristo@freenet.de
Kurzbeschreibung
Arbeitete 1981 beim Stadtbezirksgericht Berlin – Mitte und danach in der Verwaltung der
Staatlichen Museen zu Berlin. Nachdem ihr westdeutscher Freund 1982 nicht mehr in die
DDR einreisen durfte, plante sie die DDR illegal zu verlassen. Mit einem westdeutschen
Reisepass und einem Einreisevisum für die CSSR, welche ihr Freund besorgt hatte, wollte
sie die Flucht riskieren. Doch sie wurde von einem guten Freund und Arbeitskollegen, dem
sie sich anvertraut hatte, verraten und in Prag verhaftet. Nachdem sie 3 Monate in der UHA 1
der Stasi in Hohenschönhausen verbrachte, wurde sie nach Frankfurt / Oder überführt, wo
sie zu 2 ½ Jahren verurteilt wurde. Die Haftzeit musste sie in Hoheneck verbüßen. Nach
2 Jahren und 4 Monaten gelangte sie im Wege des Häftlingsfreikaufs im April 1985 nach
Berlin (West).
Seit 1994 ist sie Mitglied im Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen und seit 2011
nebenberuflich als Besucherreferentin in der Gedenkstätte Berlin – Hohenschönhausen tätig.


Regina Labahn, Nordrhein-Westfalen (Wülfrath)
„In Hoheneck warst du einfach ein nichts“
Thema: Ausreise und evangelische Kirche, politische Haft
Biografisches: 1951 geb. in Usedom 1980 1. Ausreiseantrag
danach sofortige Entführung unserer Kinder in ein Heim. 1980 –
1984 massive Verfolgung durch die Stasi. 1984 Antrag auf
Staatenlosigkeit. 1984 Verurteilung nach §214 (Beeinträchtigung
Staatlicher Tätigkeit) StGB – DDR §134 (Vereitlung von
Erziehungsmaßnahmen) StGB – DDR Nach Stasi
Untersuchungshaft in Berlin Überführung in das Frauenzuchthaus
Hoheneck. 1986 Entlassung aus dem Zuchthaus und sofortiges
Verlassen der DDR
Mitglied des Frauenkreises der ehemaligen Hoheneckerinnen

E-Mail: kh.labahn@gmail.com

Kurzbeschreibung
Nachdem Karl-Heinz Labahn es ablehnte, der SED beizutreten, begann für die junge Familie ein langer Leidensweg
durch staatliche Schikanen. 1980 beantragten die Eheleute für sich und ihre 3 Kinder erstmals die Ausreise. Auf
staatliche Anordnung hin wurden daraufhin zwei der 3 Kinder in ein Heim verbracht und der Vater verhaftet. Regina
flüchtete mit einem Sohn nach Rügen. Dort wurde sie jedoch von einem Pfarrer an die Stasi verraten. 1982 wurde
Karl-Heinz zu 10 Monaten Haft und Regina auf Bewährung verurteilt. Auch das dritte Kind kam in ein Heim.
1983 fand das Ehepaar Unterkunft und Arbeit bei der Evangelischen Kirche in Berlin Friedrichshain. Manfred Stolpe
empfahl den Eheleuten Labahn, einen Antrag auf Staatenlosigkeit zu stellen. Die Folge war eine erneute Verhaftung .
Nach der Untersuchungshaft in Hohenschönhausen im Jahr 1984 wurde Karl-Heinz zu eineinhalb, Regina zu zwei
Jahren Zuchthaus verurteilt. Regina kam in das Frauenzuchthaus Hoheneck. Karl-Heinz nach Cottbus und damaligen
Karl Marx Stadt. Regina und Karl-Heinz litten unter den schweren gesundheitlichen Folgen der Haft. Die DDRBehörden
hielten die Kinder auch weiterhin fest. Erst 1987 durfte Tochter Kati ausreisen. Nach dem Fall der Mauer
holten Labahns beide Söhne gegen den Widerstand der Heimleitung aus dem Kinderheim. Heute leben die Eheleute als
Rentner im Rheinland.